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In der Corona-Krise Sterbende begleiten

 

Der Hospizverein Bonn ist im linksrheinischen Bonn und Wachtberg aktiv. Seine Aktiven stehen Schwerkranken und Angehörigen jetzt hauptsächlich telefonisch bei

 

Der Hospizverein Bonn, der für Sterbende im gesamten linksrheinischen Bonn und Wachtberg tätig ist, muss seine Arbeit in der Corona-Krise neu koordinieren. „Unser Verein wird in diesen schwierigen Zeiten auch weiterhin seiner Verpflichtung treu bleiben. Er ist weiter für diejenigen da, die in der letzten Phase ihres Lebens nicht alleingelassen werden dürfen“, betont der Vorsitzende Peter Schneemelcher. Den Sterbenden und ihren Angehörigen können drei hauptamtliche Koordinatorinnen und mehrere Dutzend ausgebildete ehrenamtliche Helfer zur Seite stehen, und zwar zu Hause, in Altenheimen und in Bonns einzigem stationären Hospiz am Waldkrankenhaus der Johanniter. „Wir gestalten die Aufgabe derzeit neu“, erläutert Schneemelcher. Man passe sie an die Bedingungen in Krisenzeiten an und beziehe dabei alle zur Verfügung stehenden technischen Möglichkeiten ein, ergänzt Geschäftsführer Daniel von Schmude.

Dafür hat die Hospiz-Fachkraft Birgit Pledl gemeinsam mit dem Vereins-Team ein Konzept der Hospiz-, Sterbe- und Trauerbegleitung in Zeiten der Corona-Pandemie erarbeitet. Es geht davon aus, dass auf Grund der aktuellen Hygiene- und Verhaltensregeln die bisher gängige Praxis ambulanter Hospizarbeit nahezu unmöglich geworden ist. Neue Ideen und Anregungen gerade durch die Angehörigen von Schwerstkranken seien gefragt. Man verlagere den Schwerpunkt derzeit auf die Begleitung Angehöriger und Trauernder, die per Telefon an die erfahrenen Koordinatorinnen Gudrun Müller, Ines Baltes und Mareike Hartig herantreten. Das persönliche Gespräch muss nun telefonisch geführt werden. Entwickelt sich ein konkreter Begleitwunsch, übergeben die Koordinatorinnen wie zuvor an bereitstehende Ehrenamtliche, die den Kontakt nun aber auch telefonisch fortsetzen.

Natürlich werden auch die Helfer selbst in der Corona-Krise weiterhin in ihrer Arbeit begleitet: Einmal wöchentlich tauschen sie sich mit den Koordinatorinnen aus, um ihr Handeln zu reflektieren. Eigentlich bleibe der Begleitablauf ähnlich der bisherigen Begleitform, jedoch müsse man um des Fremd- und Eigenschutzes wegen technische Möglichkeiten nutzen, sagt von Schmude. Vor der Corona-Krise seien aus dem Pool Ehrenamtlicher 27 Helfer in der aktiven hospizlichen Arbeit an der Seite Sterbender aktiv gewesen, schlüsselt Koordinatorin Hartig auf: davon fünf zu Hause bei Erkrankten, zwölf in stationären Pflegeheimen und zwei im stationären Johanniter-Hospiz. Acht Ehrenamtliche seien im Rahmen des Wintergarten- und Hundebesuchsdienstes im Hospiz vor Ort gewesen.

„Aktuell haben wir keine Begleitungen aufgrund der Corona-Krise beendet“, betont Geschäftsführer von Schmude. In elf Fällen zu Hause und in Pflegeheime pausierten allerdings die persönlichen Besuche. Dort seien alternative Begleitformen, also Telefonate, aufgenommen worden: mit dem Erkrankten selbst oder den Angehörigen. Wenn Ehrenamtliche persönliche Besuche fortführten, müssten sie die ausdrückliche Zustimmung des Erkrankten und gegebenenfalls seiner Angehörigen zur Fortführung der Besuche eingeholt haben, so Hartig. Selbstverständlich seien auch die Einhaltung der notwendigen Hygienemaßnahmen und das Gebot, Abstand zu halten.

Und dann erzählt sie noch, wie kürzlich eine der Koordinatorinnen des Hospizvereins, die das Pflegeheim des Sterbenden nicht mehr betreten konnte, die Angehörigen auch in der Krisen- und Sterbesituation über mehrere Tage regelmäßig telefonisch unterstützte, beriet und sich für die Bedürfnisse des Kranken einsetzte. „Eine gute Verabschiedung war also trotz der schwierigen Begleitumstände möglich“, sagt Hartig. Auch in Zeiten der Corona-Pandemie.

 

Verein und Stiftung: Der 1997 gegründete Hospizverein Bonn und seine Hospizstiftung stehen für verantwortungsvolle Hospizarbeit im Bonner Raum: Sie unterhalten ein ambulantes Hospiz, kommen also normalerweise zu Schwerstkranken nach Hause, ins Altenheim oder in Bonns stationäres Hospiz der Johanniter. Der Verein hat 400 Mitglieder und gut 60 Aktive. Er bildet jedes Jahr in einem halbjährigen Kurs neue ehrenamtliche Hospizhelfer aus. Kontakt: Hospizverein Bonn, Junkerstr. 21, 53177 Bonn, Tel. 0228 – 62 90 69 00, www.hospizverein-bonn.de. ham

Autorin + Foto: Ebba Hagenberg-Miliu

Der Artikel erschien am 28. April 2020 im General-Anzeiger Bonn

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