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Wie arbeiten Hospizhelfer?

Im General-Anzeiger Bonn berichtet ein Hospizhelfer, warum er neben seinem aufreibenden Hauptberuf auch noch in diesem Ehrenamt gerne unterwegs ist.

 

General-Anzeiger Bonn, 19. Oktober 2019:

Mit Respekt für sterbende Menschen

Hospizverein Bonn wirbt mit einem Benefizkonzert in der Schlosskirche um Spenden

Von Ebba Hagenberg-Miliu

Bonn. Jochem Küppers kommt gerade von der Arbeit aus Düsseldorf. Jetzt ist er auf dem Sprung ins Malteser-Krankenhaus. An einem Abend pro Woche besucht er seit einiger Zeit eine schwer kranke Person. Der 58-jährige Verwaltungsbeamte in einem Landesministerium hat sich 2016 vom Hospizverein Bonn zum Hospizhelfer ausbilden lassen. Nach dem sechsmonatigen Kurs konnte Küppers ehrenamtlich sterbenden Menschen und deren Angehörigen an deren jeweiligem Lebensort zur Seite stehen. Jetzt geht er noch einmal in sich. „Ich versuche mich noch zu sammeln und nicht gehetzt ins Zimmer zu kommen“, sagt Küppers. Die Hospizbegleitung im Krankenhaus ist ihm enorm wichtig. Der Dienst sei keineswegs ein Opfer, wie viele in seinem Bekanntenkreis meinten, sondern eine Bereicherung auch für ihn. Er habe sich in seinem Ehrenamt selbst viel besser kennengelernt. „Und ich freue mich jede Woche darauf.“

Der 58-Jährige sieht sich nicht als religiösen Menschen. Doch die Hospizidee, die habe ihn in den letzten Jahren in der Diskussion um ein würdevolles Sterben gepackt. „Das ist doch die Lösung: Der Mensch stirbt nicht durch die Hand eines anderen, sondern an der Hand“, meint Küppers. Folgerichtig meldete er sich im nächsten sechsmonatigen Kurs des Hospizvereins Bonn an, dessen Koordinatorinnen für den ambulanten Dienst ehrenamtliche Kräfte ausbilden. „Im Praktikum bin ich damals ins Poppelsdorfer Sebastian-Dani-Seniorenheim geschickt worden“, weiß Küppers noch. Nein, Angst habe er nicht am Bett des ersten Sterbenden gehabt, als er ihm geduldig zuhörte, einfach für ihn Zeit hatte und auf ihn einging, sondern Respekt. Er habe gespürt, dass sein Gegenüber ihn nicht als Arzt, Pfleger oder Familienmitglied, sondern als „ganz normalen Menschen“ geschätzt habe. „Eine spannende Begegnung. Sie hatte viel mit mir und meinem Leben zu tun“, sagt Küppers.

Neben dem im Kurs vermittelten Wissen sei Einfühlungsvermögen eine wichtige Voraussetzung für die Sterbebegleitung, erklärt Gudrun Müller, eine der Koordinatorinnen des Hospizvereins Bonn. „Und man sollte ein kommunikativer Mensch sein, der aber spürt, wann er einmal ganz still sein sollte“, erläutert sie weiter. Sie könne rund 60 aktive Helfer kostenlos an Einsatzorte im linksrheinischen Bonn und nach Wachtberg ausschicken: in Privathaushalte, Altenheime, Krankenhäuser und in Bonns stationäres Johanniter-Hospiz am Waldkrankenhaus. Diese Frauen und Männer müssten sich darauf einlassen, das quirlige Leben draußen zu lassen, „zurückhaltend beharrlich“ Hilfe anzubieten und sich auch auf die Angehörigen des Schwerkranken einzulassen. „Die Energie zwischen dem Sterbenden und seinem Begleiter kann auch strömen, wenn keine Worte mehr gewechselt werden“, betont Müller. Das A und O für die Koordination wiederum sei, nach dem Erstbesuch den richtigen Ehrenamtlichen an den richtigen Ort zu schicken. „Die Chemie muss einfach stimmen“, so Müller. Das hauptamtliche Team bleibe selbstverständlich stets in Besprechungen beratend und helfend im Hintergrund. 

Jochem Küppers ist inzwischen ins Krankenhaus geeilt. Meist fingen die Gespräche mit der Person, die er seit einiger Zeit begleitet, in deren Alltag an und kämen dann auch zu wichtigen Stationen in deren Leben. „Spazierengehen können wir ja jetzt nicht mehr, aber das Sprechen geht noch sehr gut.“ Bis zu eineinhalb Stunden wird Küppers sich auch an diesem Abend ganz auf diesen Menschen einlassen. Er fühlt sich ihm inzwischen fast freundschaftlich verbunden. Wenn sein Gegenüber sterben sollte, werde ihn das selbst berühren, hat Küppers noch nachdenklich gesagt, bevor er im Malteser-Krankenhaus verschwand. Wie gut, dass die Hospizhelfer wiederum von den Koordinatorinnen begleitet werden, fügte er noch hinzu. „Die passen gleichermaßen auf uns auf.“ 

Das Benefizkonzert

Der Hospizverein Bonn lädt für den 25. Oktober ab 19 Uhr zum Benefizkonzert in die Schlosskirche der Universität. Aufgeführt werden zwei Werke von Johannes Brahms über die Vergänglichkeit allen Lebens, die zudem einige Bonn-Bezüge aufweisen: die Sonate für Violine und Klavier Nr. 1 in G-Dur, op. 78, und das Trio für Horn, Violine und Klavier in Es-Dur, op. 40. Es musizieren drei bekannte junge Solisten: Franziska Hoelscher (Violine), Severin von Eckardstein, (Piano) und Teunis van der Zwart (Horn).

Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten. Kontakt: www.hospizverein-bonn.de

Foto: Ebba Hagenberg-Miliu

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